Mehr als 100 Frauen aus Landwirtschaft, Wissenschaft, Beratung, Verbänden und Politik sind letzte Woche auf dem Lindhof der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel zusammengekommen, um sich im Rahmen des UN-Jahres der Frauen in der Landwirtschaft auszutauschen. Unter dem Motto „Frauen gestalten Landwirtschaft. WIR vernetzen uns." hatte Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg zu dieser landesweiten Netzwerkveranstaltung eingeladen und ich war sehr gern dabei!
Frauen sind eine tragende Säule der Landwirtschaft in Schleswig-Holstein. Sie führen Höfe, entwickeln neue Geschäftsideen, übernehmen Verantwortung in Familienbetrieben, Verbänden und Ehrenamt. Trotzdem zeigt ein Blick auf die Zahlen, wie weit der Weg zur echten Gleichstellung noch ist: Nach Angaben des Statistikamtes Nord wurden in Schleswig-Holstein nur 1.406 landwirtschaftliche Betriebe von Frauen als Betriebsleiterinnen geführt – das entspricht knapp zwölf Prozent aller Betriebe im Land. Viel zu wenig, wenn man bedenkt, wie viel Arbeit und Verantwortung Frauen auf den Höfen tatsächlich tragen.
Oft bleibt diese Arbeit unsichtbar: Rund 40 Prozent der Frauen in familieneigenen Betrieben haben keinen offiziellen Arbeitsvertrag, der eine eigenständige Absicherung oder geregelte Bezahlung garantiert. Etwa 65 Prozent sind nicht als Eigentümerin von betrieblichen Flächen oder Gebäuden im Grundbuch eingetragen. Obwohl viele Frauen an unternehmerischen Entscheidungen beteiligt sind oder die Buchhaltung führen, liegt das rechtliche und wirtschaftliche Hauptrisiko meist beim Partner. Fehlt ein eigenes Einkommen oder eine geregelte Altersvorsorge, drohen im Fall einer Trennung oder beim Tod des Partners erhebliche Risiken, auch weil Höfe meist als unteilbare Einheit weitergegeben werden.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen deshalb Impulsvorträge sowie ein World Café, in dem die Teilnehmerinnen konkrete Bedarfe und Handlungsempfehlungen für Politik, Verbände und Beratung erarbeiteten. Die Ergebnisse wurden der Ministerin übergeben. Auf einem „Markt der Möglichkeiten" stellten sich zudem Initiativen wie die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein und der LandFrauenVerband vor.
Solche Veranstaltungen sind wichtig, um Frauen in der Landwirtschaft sichtbarer zu machen. Aber Sichtbarkeit allein reicht nicht: Es braucht endlich verbindliche Arbeitsverträge, echte Eigentumsbeteiligung und eine eigenständige Absicherung für Frauen auf den Höfen. Solange Frauen rechtlich und wirtschaftlich vom Partner abhängig bleiben, ist von echter Gleichstellung in der Landwirtschaft noch nicht die Rede. Genau dafür werde ich mich weiter einsetzen.